Fragen und Antworten zum Familiencoaching

Was ist der Sinn eines Familiencoachings?

Im Familiencoaching geht es darum, Eurer Familie durch Streit oder Herausforderungen zu hel­fen. Ich räume Eure Probleme zwar nicht aus dem Weg, aber ich helfe Euch, sie zu bewäl­ti­gen und daran gemein­sam zu wach­sen. Ihr wer­det fest­ge­fah­rene Muster erken­nen, sie durch­bre­chen und posi­tive Erfahrungen mit neuen Formen der Interaktion machen. Im Familiencoaching erlebt Ihr Euch, wie im Alltag, als Individuen und zugleich als Teil eines Systems. Euer Familiensystem ist mit einem Mobile ver­gleich­bar: Die ein­zel­nen Teile kön­nen nur gemein­sam ihr Gleichgewicht und ihre Stabilität fin­den. 

Was bedeutet „nach dem Therapieansatz von Jesper Juul“?

Wenn Du Kinder hast, ist Dir der däni­sche Familientherapeut Jesper Juul (*1948, †2019) , ver­mut­lich schon ein­mal als Autor diver­ser Erziehungsratgeber begeg­net. Er hat sich dafür stark gemacht, Kinder nicht län­ger als Objekt irgend­wel­cher Erziehungsansätze zu machen, egal ob traditionell-​autoritärer oder progressiv-​antiautoritärer Art, son­dern mit ihnen in eine „gleich­wür­dige“ Beziehung zu tre­ten.

Juul ver­trat die Grundannahme, dass Kinder immer koope­rie­ren. Das heißt, Kinder reagie­ren in ihrem Verhalten pas­send auf die aus­ge­spro­che­nen und unaus­ge­spro­che­nen Erfordernisse des Familiensystems. Oft geschieht diese Kooperation auf eine Art und Weise, die sich den Erwachsenen nicht unmit­tel­bar erschließt. Manchmal wird sie durch die Eltern sogar als Provokation miss­ver­stan­den. Für die Kinder aber besteht vor allem die Gefahr, dass sie über die Maßen und auf Kosten ihrer eige­nen Integrität koope­rie­ren. Die Verantwortung der Erwachsenen besteht darin, für eine gedeih­li­che Atmosphäre zu sor­gen. Sie begeg­nen im bes­ten Fall den Kindern lie­be­voll, respekt­voll und authen­tisch.

Wie Ihr als Eltern wie­derum mit­ein­an­der und mit Euren Kindern umgeht, hängt ganz wesent­lich mit den Bindungs- und Beziehungserfahrungen zusam­men, die Ihr selbst in Eurer eige­nen Kindheit gemacht habt. Durch die Dynamik in Euren jewei­li­gen Ursprungsfamilien habt Ihr indi­vi­du­elle Überlebensmechanismen und Schmerzpunkte her­aus­ge­bil­det. Diese wer­den unter­schwel­lig wirk­sam, wenn es zu Konflikten kommt. Die Reflexion die­ser Muster ist ein wesent­li­cher Schritt zu einem bewuss­te­ren und lie­be­vol­le­ren Umgang mit­ein­an­der.

Der Therapieansatz von Jesper Juul inte­griert psy­cho­dy­na­mi­sche, sys­te­mi­sche, gestalt­the­ra­peu­ti­sche, huma­nis­ti­sche und exis­ten­zia­lis­ti­sche Elemente. Der Fokus liegt dabei nicht auf Inhalten und Techniken, son­dern auf dem Prozess, dem Beziehungsgeschehen und der unver­stell­ten Begegnung von Mensch zu Mensch.

Sind auch Einzel-​Sitzungen möglich?

Ja. Es kann Fälle geben, wo sich eine Einzel-​Sitzung anbie­tet. Bei Einzel-​Sitzungen berechne ich 135 Euro je 60 Minuten. Mehrwertsteuer fällt nicht an.

Werden die Kosten für ein Familiencoaching von der Krankenkasse übernommen?

Da es im Familiencoaching nicht um die Diagnose oder Behandlung psy­chi­scher Krankheiten geht, son­dern um Euer Beziehungsgeschehen, han­delt es sich um eine Privatleistung, die nicht von den gesetz­li­chen oder pri­va­ten Krankenkassen über­nom­men wird. Das ist bedau­er­lich, denn eine bes­sere Familienatmosphäre wirkt sich in vie­len Fällen posi­tiv auf die Gesundheit der Familienmitglieder aus.

Kann ich auch einen Termin am Abend oder am Wochenende bekommen?

Ja. 

Werden die Inhalte des Familiencoachings vertraulich behandelt?

Ja.

Wer sollte am Familiencoaching teilnehmen?

Es ist wich­tig, dass mög­lichst alle Familienmitglieder teil­neh­men, da das Wohlergehen aller mit der Atmosphäre und der Beziehungsqualität inner­halb des gesam­ten Systems zusam­men­hängt. Es geht darum, dass Ihr in den Sitzungen mit­ein­an­der in Beziehung tre­tet. Dabei sollte es mög­lichst ver­mie­den wer­den, über Abwesende zu spre­chen. Und nur, wenn die gesamte Familie anwe­send ist, zeigt sich ein rea­lis­ti­sches Bild Eurer Beziehungsdynamik. Ihr erhal­tet ein rea­li­täts­na­hes Setting, in dem Ihr neue Formen der Interaktion aus­pro­bie­ren und ein­üben könnt. In Ausnahmefällen kann es aber auch Gründe geben, dass nur ein Teil der Familie an der Sitzung teil­nimmt. 

Wir sind keine Familie im klassischen Sinne. Für wen werden die Familiencoachings angeboten?

Bei mir sind Alleinerziehende, Pflege- und Adoptivfamilien, Patchworkfamilien, Regenbogenfamilien und alle ande­ren Lebensgemeinschaften will­kom­men. Auch, wenn Ihr über­haupt keine Familie, son­dern eine Wohngemeinschaft, ein Team oder eine andere Gemeinschaft seid, kön­nen Sie vom fami­li­en­the­ra­peu­ti­schen Setting und mei­ner fami­li­en­the­ra­peu­ti­schen Perspektive pro­fi­tie­ren.

Wie muss ich mir den Ablauf einer Familiencoaching-​Sitzung vorstellen?

Zunächst ein­mal wer­den wir gemein­sam klä­ren, um wel­ches Thema es gehen soll und wel­che Sicht jedes ein­zelne Familienmitglied auf die­ses Thema hat. Ich mache mir ein Bild davon, wie Ihr mit­ein­an­der inter­agiert, wel­che Rollen Ihr ein­nehmt, wel­che Dynamiken und Muster zutage tre­ten. Dabei stelle ich gezielte Fragen und gebe Euch Rückmeldung über meine Wahrnehmung. In einem siche­ren Rahmen könnt Ihr im Familiencoaching die Bedürfnisse und Wünsche her­aus­ar­bei­ten, die unter den Konflikten in Eurer Familie lie­gen. Gemeinsam fin­den wir her­aus, wel­che alter­na­ti­ven Möglichkeiten Ihr habt, mit­ein­an­der in Beziehung zu tre­ten. Der Fokus liegt auf dem Prozess, nicht auf dem Inhalt der Gespräche. Mit ande­ren Worten: Es geht weni­ger um das, was bespro­chen wird, als darum, wie Ihr Euch ein­an­der mit­teilt und auf­ein­an­der reagiert. 

Eigentlich hat bei uns nur ein Familienmitglied Probleme – warum sollten wir alle teilnehmen?

Auch, wer sich nicht als Teil des Problems sehen will, möchte hof­fent­lich ein Teil der Lösung sein. In jedem Fall möchte ich gerne die Sicht und den Input aller erfah­ren. Und: Je mehr sich alle in den ange­sto­ße­nen Prozess ein­brin­gen, desto mehr kön­nen am Ende auch alle davon pro­fi­tie­ren.

Wie lange dauert eine Sitzung?

Eine ein­zelne Familiencoaching-​Sitzung dau­ert bei mir 90 Minuten. Dieser zeit­li­che Rahmen hat sich sehr gut bewährt.

In welchem Intervall sollten die Sitzungen stattfinden?

Als Intervall haben sich 14-​tägige Abstände bewährt, aber das gestal­ten wir fle­xi­bel und ganz nach Euren Bedürfnissen. Manchmal möchte ein Elternpaar zwi­schen zwei Familiencoaching-​Sitzungen auch eine oder meh­rere Paarcoaching-​Sitzungen wahr­neh­men oder ein­zelne Familienmitglieder wün­schen sich ein Einzelcoaching.

Wie bringe ich den Rest der Familie dazu, am Familiencoaching teilzunehmen?

Die Gründe, warum ein­zelne Familienmitglieder nicht teil­neh­men möchte, kön­nen viel­fäl­tig sein. Ich kann Euch auf jeden Fall zusi­chern, dass in mei­nen Sitzungen nie­mand gezwun­gen ist, über Dinge zu spre­chen, über die er*sie nicht spre­chen möchte. Es geht auch nicht darum, her­aus­zu­fin­den, wer etwas rich­tig oder falsch gemacht hat. Es geht ein­zig und allein darum, her­aus­zu­fin­den, wie Ihr in einen kon­struk­ti­ve­ren Austausch tre­ten und zu einem glück­li­che­ren Miteinander fin­den könnt. Sage dem Rest der Familie, dass ich für die­sen Prozess gerne die Perspektive und den Input aller Beteiligten hören würde.

Welche Rolle bzw. Aufgabe kommt den Kindern im Rahmen des Familiencoachings zu?

Die Kinder brau­chen sich in kei­ner Weise aktiv am Prozess zu betei­li­gen und ich werde ihnen auch keine Fragen stel­len, wenn sie das nicht möch­ten. Sie dür­fen auch gerne etwas spie­len oder lesen oder sich, wenn sie älter sind, mit ihren Smartphones beschäf­ti­gen. Was für sie rele­vant ist, wer­den sie trotz­dem mit­be­kom­men. Wenn sie spon­tan doch Lust bekom­men sich ein­zu­brin­gen, erhal­ten sie die Möglichkeit dazu. Wichtig ist vor allem, dass sie dabei sind. Mit Eurem Entschluss zum Familiencoaching zeigt Ihr als Erwachsene, dass Ihr das Problem und Eure Verantwortung wahr­nehmt. Darin und, indem Ihr Euch aktiv in den Prozess ein­bringt, zei­gen Ihr als Erwachsene, dass Ihr die Herausforderung angeht, damit es allen Beteiligten und Eurer Familie im Ganzen wie­der bes­ser geht. Das sol­len Eure Kinder mit­er­le­ben dür­fen.

Was ist, wenn wir während der Familiencoaching-​Sitzung in Streit geraten?

Heftige Auseinandersetzungen wäh­rend der Familiencoaching-​Sitzungen sind völ­lig nor­mal und nichts, was Euch unan­ge­nehm sein müsste. Sie bie­ten die Möglichkeit, inne­zu­hal­ten und sich zu fra­gen, was gerade vor sich geht. Und das ist in aller Regel der Beginn eines heil­sa­men Prozesses für alle Beteiligten. Dann kön­nen wir den geschütz­ten Rahmen des Familiencoachings dazu nut­zen, mit den Mechanismen und Gefühlen in Kontakt zu kom­men, die hin­ter Euren Auseinandersetzungen lie­gen. Ihr dürft Euch sicher sein, dass ich Euren Streit gut aus­hal­ten kann und dass ich den Rahmen halte. Ich zeige Euch Wege auf, zu dees­ka­lie­ren und kon­struk­tive Wege der Kommunikation ein­zu­schla­gen. Auch behalte ich den zeit­li­chen Rahmen der Sitzung im Blick und stelle sicher, dass die Spannungen bis zum Ende der Sitzung soweit abge­baut sind, dass jede*r mit einem siche­ren Gefühl in den Alltag zurück­keh­ren kann.

Familiencoaching, Familientherapie oder Familienberatung – wo liegt der Unterschied?

Die Grenze zwi­schen Familiencoaching, Familientherapie und Familienberatung ver­läuft flie­ßend und die Begriffe wer­den meis­tens syn­onym ver­wen­det. Indem ich anstelle von „Familientherapie” den Begriff „Familiencoaching” ver­wende, möchte ich deut­lich machen, dass es nicht um die Diagnose und Behandlung von Krankheiten geht, son­dern darum, dass Ihr als Familie in einen kon­struk­ti­ve­ren Austausch und in einen bes­se­ren Kontakt kommt. Natürlich gebe ich in den Sitzungen auch Empfehlungen für alter­na­tive Sicht- und Handlungsweisen ab. Ich bringe auch meine päd­ago­gi­sche Expertise ein, aber ich maße mir nicht an, Euch Ratschläge zu ertei­len. Da es im Kern nicht um Wissensvermittlung, son­dern um das pro­zess­hafte Arbeiten mit Beziehungsdynamiken geht, bevor­zuge ich den Begriff „Familiencoaching“ auch gegen­über dem Begriff „Familienberatung”. In mei­ner Perspektive und mei­nen Ansatz baue ich dabei auf den Erkenntnissen und Methoden der Psychotherapie auf. Und ich habe, anders als viele Coaches, eine fun­dierte päd­ago­gi­sche und the­ra­peu­ti­sche Ausbildung.

Kann das Familiencoaching auch in englischer Sprache stattfinden?

Ja.

Wie treten wir in Kontakt?