Noch vor ein paar Jahren hätte ich gedacht, dass mir das Papa-Sein bestimmt ganz leicht von der Hand gehen würde 💪

Oh Mann, lag ich falsch 🙈

Woher hatte ich diese Sicherheit genommen? Warum kam dann alles ganz anders? Und wie habe ich es am Ende geschafft, tatsächlich an 97 von 100 Tagen der entspannte, achtsame Papa zu sein, der ich immer sein wollte?

Ich will meine Geschichte mit Dir teilen, denn was ich kann, kannst Du auch ✊

Woher nahm ich meine falsche Sicherheit?

Als stu­dier­ter Gymnasiallehrer für Philosophie, Ethik und Darstellendes Spiel habe ich an unter­schied­lichs­ten Schulformen und mit allen Altersstufen gear­bei­tet, zeit­weise auch als Pädagogischer Leiter. Ich habe es geliebt, mich fort­wäh­rend wei­ter­zu­bil­den und immer wie­der Neues zu ler­nen. So haben sich zu den unzäh­li­gen päd­ago­gi­schen Weiterbildungen auch meh­rere the­ra­peu­ti­sche Ausbildungen gesellt. Am inten­sivs­ten geprägt hat mich meine mehrjährige familientherapeutische Ausbildung nach dem Therapieansatz von Jesper Juul. Was damals eigentlich bloß als weiteres Häkchen auf meiner „To-Do-Liste der Selbstoptimierung” gedacht war, hat mein Weltbild und Selbstbild ziemlich auf den Kopf gestellt. Aber das ist eine andere Geschichte ...

Als ich Papa (genauer gesagt: der glücklichste und verliebteste Papa der Welt) wurde, entschied ich mich, nach meiner 6-monatigen Elternzeit nicht zurück an die Schule zu gehen (obwohl es mir dort sehr gefallen hatte), sondern in Frankfurt eine Praxis für Familientherapie zu eröffnen. Das tat ich dann auch und war selbst erstaunt, wie schnell sich mein Terminkalender füllte ... Bis Corona mir einen Strich durch die Rechnung machte. Also erfand ich mich mal wieder neu; als Online-Elterncoach. Neben einer erfüllenden Aufgabe und glücklichen Klient*innen hatte ich jetzt auch noch das Privileg, ortsunabhängig arbeiten zu können. Als wir vom Lockdown in der heißen Mainmetropole genug hatten, erfüllten wir uns kurzerhand einen lang gehegten Traum und zogen ans Meer – ins wunderschöne Flensburg ⚓️🌊🤗

Und dann ... fuhr ich mit Ansage gegen die Wand!

Wie lange sich der Lockdown hinziehen und wie wenig wir die frisch bezogene Wohnung in den nächsten Monaten verlassen würden, habe ich nicht ahnen können. Nicht immer einfach bei Schietwetter, zwischen Umzugskisten, wenn man in der neuen Heimat noch niemanden kennt und keinen Betreuungsplatz für sein Kind findet. Womit ich allerdings durchaus hätte rechnen können: dass mein ruhiger, ausgeglichener, kleiner Liebling früher oder später in etwas eintreten würde, dass gemeinhin als Trotzalter bezeichnet wird.

Nun gut, bei seinem entspannten Charakter, bei unserem bedürfnisorientierten Ansatz, bei all dem pädagogischen Wissen und der Erfahrung, die Jasmin (meine Frau) und ich angehäuft hatten, konnte es doch so schlimm nicht werden, oder? 

Wie man die Autonomiephase eines Dreijährigen empathisch begleitet, war mit theoretisch klar. Was mir allerdings völlig überforderte, waren die Trotzanfälle (hier passt der Begriff!), die das Verhalten meines Sohnes in mir selbst auszulösen vermochten 👿 Wie schaffte es dieser kleine Kerl, der mir alles bedeutet und den ich über alles liebe, mich immer wieder so auf die Palme zu bringen? Woher kam plötzlich all diese Wut? Und viel wichtiger: Wohin verdammt nochmal damit? 😤

Er kannte meine Knöpfe viel besser als ich selbst 

Die Tage begannen mit Geschrei, wenn eine der gefühlt 30 Zutaten für Tommys (Name geändert) Frühstück fehlten. Ich fand sein Schreien so unnötig, dass ich nicht selten zurückschrie (seltsame Logik, ich weiß). Am schlimmsten waren die Dienstagabende, wenn Jasmin mit Teddy (unserem jungen Pudel) zur Hundeschule ging. Es war immer der gleiche Ablauf. Tommy freute sich auf einen schönen Papa-Sohn-Abend. Ich auch. Aber wenn Jasmin mit Teddy aus dem Haus war, dauerte es meist keine zehn Minuten, bis Tommy irgendetwas unternahm, das mich implodieren ließ 😡 Mal sukzessive, mal ganz abrupt. Oft, weil irgendetwas kaputtgemacht, verwüstet oder unter Wasser gesetzt wurde. Mal setzte Tommy sich in den Kopf, die Welt würde untergehen, wenn wir nicht noch einmal Süßigkeiten einkaufen gingen. Mal setzte ich mir in den Kopf, dass er dieses oder jenes doch bitte endlich zu kapieren hätte. Autonomie-Tommy gegen Mecker-Michi 😣

Mit Entsetzen hörte ich mich Dinge sagen (und manchmal auch brüllen), von denen ich wusste, dass sie bei Tommy nichts erreichen würden außer Beschämung und Einschüchterung: „Wie oft muss ich Dir noch sagen, dass ...! Es kann doch nicht so schwer zu verstehen sein, dass ...! Es hätte so ein schöner, entspannter Abend werden können, aber mit Dir geht das ja leider nicht!“ 🤬 Wenn der Mecker-Automat erst einmal hochgefahren war, ging es mir wie einer alten Dame, deren Handy mitten im Theaterstück klingelt. Irgendwo ganz unten in der Handtasche. Ich wusste, dass das bescheuert war, und ich hatte keine Ahnung, wie ich das abstellen sollte 😫

Wenn meine Wut und die Mecker-Tiraden endlich abgeklungen waren, fühlte ich mich jedesmal hundeelend 😩 Wie konnte ich so gemein zu meinem Kind sein, das sich doch nur verhält, wie sich Dreijährige eben verhalten 😢 Tommy hatte weder böse Absichten noch war er dumm – im Gegenteil. Und selbst wenn, würde ihn mein Gemeckere weder zu einem besseren noch zu einem klügeren Menschen machen. Die Abende endeten jeweils damit, dass ich mich entschuldigte, dass ich noch stundenlang kuscheln und vorlesen musste, bevor Tommy schlafen konnte ❤️‍🩹 und dass ich mir vornahm, von nun an alles besser zu machen. Ein Vorsatz, der meistens bis zum nächsten Vormittag hielt 😥

Mein Wissen half mir nichts, ich brauchte ein System

Was mich über Wasser hielt, waren zum einen viele gute Gespräche mit Jasmin und zum anderen – so verrückt das klingen mag – die Coachings, die ich selbst verzweifelten Eltern gab. Eltern, die teils mit ähnlichen, teils mit viel heftigeren Problemen zu kämpfen hatten. Oft brachte ich meine eigenen Kämpfe als Beispiel ein, um Ihnen zu zeigen: Ihr seid nicht allein! Die Eltern, mit denen ich arbeitete, waren zufrieden mit mir und meiner Arbeit. Dass ich ausgebucht war, lag aber ganz sicher auch an Corona. Die Krise hat offenbar vielen den letzten Anstoß gegeben, sich Hilfe zu suchen. Anderen bei ihren Problemen zu helfen, half mir, die eigenen klarer zu fassen und entschiedener anzugehen. Kein „Fake it, till you make it!“, sondern „Teach it, till you reach it!“

Eines war mir klar: Ich brauchte keinen weiteren Erziehungsratgeber zu lesen. Die meisten hatte ich ohnehin schon durch. Ganz offensichtlich hatte ich kein Wissens-, sondern ein Umsetzungsproblem. Was ich brauchte, war ein klares System, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Und zwar eine, die alles Überflüssige weglässt. Denn Zeit hatte ich nicht zu verschenken. Kinderjahre vergehen schließlich wie im Flug (zumindest aus der Elternperspektive) ✈️

Ich gab mir selbst und meinem Sohn ein feierliches Versprechen ab: „Ich werde lernen, viel weniger zu schimpfen, zu schreien und zu meckern! Und wenn mir das gelingt, dann will ich auch andere Eltern dahin führen!“ 

Was folgte, waren Wochen und Monate harter Arbeit. Zeiten der Hoffnung und der Verzweiflung, der Fortschritte und Rückschritte. Und inzwischen ... Ich weiß, es ist zu schön, um wahr zu sein, aber ich freue mich tatsächlich wieder auf die Dienstagabende. Mecker-Michi bleibt jetzt draußen. Stattdessen Spaß am Dienstag und Kinderquatsch mit Michael, wie es sich gehört 🎉🥳🎈

Langsam aber sicher, ist es an der Zeit, mich an den zweiten Teil meines Versprechens zu wagen: andere Eltern zu unterstützen, die da stehen, wo ich neulich noch stand. Was dabei herausgekommen ist?

Mein Online-Kurs „Familienleben ohne Sch*** (Schreien, Schimpfen, Schuldgefühle)”

Ich danke Dir, dass Du bis hier gelesen hast und dass ich meine Geschichte mit Dir teilen durfte.

Erzähl mir doch gerne auch Deine! Liebe Grüße

Michael Zahedi

Danke fürs Teilen!

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