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Expertinnen-​Interview:
So gelingt die Wiedereingewöhnung in Krippe und Kita

Täglich erschei­nen neue Mitteilungen dar­über, in wel­chen Bundesländern und unter wel­chen Auflagen Krippen und Kindertagesstätten wie­der öff­nen. Was kön­nen wir als Eltern dazu bei­tra­gen, den Wiedereinstieg für unsere Kinder gut zu gestal­ten? Dazu führt Jasmin ein Interview mit der Kindheitspädagogin Lea Wedewardt. Lea ist Dozentin an einer Erzieherinnen-​Fachschule und wid­met sich auch als Bloggerin und Podcasterin der bedürf­nis­ori­en­tier­ten Betreuung in Kindertageseinrichtungen.

Hi, Ich freue mich total dass du heute da bist!

Hallo, ja, ich freue mich auch sehr, danke für die Einladung!

Ja, sehr gerne. Vielleicht gleich zur ers­ten Frage: Wie bekommst du denn gerade sel­ber Beruf und Familie unter einen Hut?

Ich muss sagen, mir bekommt diese Zeit sehr, sehr gut. Das geht vie­len ande­ren ver­mut­lich nicht so. Ich habe ein­fach eine sehr luxu­riöse Situation, weil ich momen­tan in Elternzeit bin. Ich bin ohne­hin zu Hause und genieße die Zeit mit den Kindern. Die Kinder waren auch vor­her häu­fig zu Hause. Die sind in die Kita gegan­gen, aber die hat­ten immer zwei­mal die Woche einen „Zu-​Hause-​Tag”. Von dem her ken­nen wir das auch schon ein biss­chen, es uns zu Hause schön zu machen. Ich muss dazu sagen: Wir leben auf dem Land. Wir haben ein gro­ßes Grundstück für uns und haben auch einen Garten, wo wir jeder­zeit raus kön­nen und Kinder drum­herum, die auch immer mal wie­der ver­ein­zelt zu Besuch kom­men. Und des­we­gen haben wir natür­lich eine sehr luxu­riöse Situation und ich muss sagen, ich sehe viel­mehr die Vorteile, als die Nachteile. Ich finde, auch es hat so etwas von Entschleunigung und „Zu-​sich-​Kommen”. Also ich mag es sehr, muss ich sagen.

Ah ja, das ist inter­es­sant. Ich finde es schon anders, also ich finde es schon stres­si­ger, weil wir ja beide berufs­tä­tig sind und dann im Homeoffice ver­su­chen, irgend­wie noch etwas zu rei­ßen, und gleich­zei­tig Tommi betreut wer­den will und noch in einem Alter ist, wo er sich ein­fach noch nicht sel­ber beschäf­ti­gen kann. Und, ja, bei mir ist es schon eher so, dass ich tat­säch­lich der Kita-​Öffnung ein biss­chen ent­ge­gen­fie­bere. Wobei das, glaube ich, in recht weite Ferne gerückt ist. Hier in Hessen hieß es, dass ab dem 2. Juni der Regelbetrieb star­ten solle. Und jetzt haben sie es doch geän­dert, dass nicht alle Kinder wie­der rein kön­nen in die Kita, son­dern ledig­lich die Notbetreuung ein biss­chen erwei­tert wird. Wir sind da also nicht dabei. Ich habe jetzt gar nicht erwar­tet, dass unbe­dingt die Kita ganz nor­mal wei­ter geht – das fände ich auch ein biss­chen komisch. Aber zwei Tage die Woche wären schon schön.

Ja, ich kann mir das so gut vor­stel­len. Also manch­mal geht’s mir auch so, dass man zumin­dest mal ein biss­chen Zeit zum Durchatmen haben möchte. 24 Stunden! Mit klei­nen Kindern ist das ja auch nachts manch­mal nicht der Fall, ein­fach mal einen Moment für sich zum Durchatmen zu haben. Also das emp­finde ich schon auch so, dass das unbe­dingt not­wen­dig ist, weil nur wenn man sel­ber ent­spannt ist, kann man auch ent­spannt mit den Kindern umge­hen.

Genau, das merke ich auch total, dass es dann teil­weise schwie­rig ist, wenn ich schon mit dem Kopf irgendwo anders bin und eigent­lich lie­ber gerade etwas ande­res machen würde. Dann geht’s bergab. Aber ich finde es auch ganz inter­es­sant, weil man daran auch sieht, wie unter­schied­lich diese Situation sich auf die unter­schied­li­chen Familien auf die ein­zel­nen Familienmitglieder aus­wirkt und, dass man jetzt nicht sagen kann: Dieses Virus ist „the great equa­li­zer”, also die Situation, die uns alle irgend­wie gleich macht und von der wir alle gleich betrof­fen sind. Sondern es ist schon auch unter­schied­lich.

Sehr unter­schied­lich, und wir müs­sen schauen, wie jede ein­zelne Familie damit klar kom­men kann. Ich habe eine Freundin in Valencia. Da ist das noch mal ver­schärft, da durf­ten die wirk­lich gar nicht raus und waren dann für vier Wochen mit ihren Kindern in der Wohnung. Und, dass man sich da irgend­wie auf den Geist geht, das ist ein­fach völ­lig nor­mal. Es ist ja auch ein­fach keine „art­ge­rechte Haltung”.

Und wie ist das jetzt, wenn bei euch die Kitas wie­der öff­nen? Ich habe ges­tern noch mal recher­chiert, dass in Brandenburg – da wohnst du ja – ab dem 25. Mai für min­des­tens einen Tag pro Woche wie­der für alle Kinder die Kitas geöff­net sein sol­len.

Ja, es soll für alle Kinder einen Tag pro Woche für vier Stunden wie­der geöff­net wer­den.

Ok, und das heißt, dass deine Kinder dann auch schon wie­der los­le­gen kön­nen?

Sie könn­ten los­le­gen. Ich bin da aber ganz ent­spannt. Bei mir ist es halt so, dass ich die Kita als Ort sehe, wo meine Kinder hin­ge­hen kön­nen, um sich mal mit den Freunden zu tref­fen, um mal eine schöne Zeit zu haben und dann auch wie­der nach Hause kön­nen. Und momen­tan ist der Drang mei­ner Kinder noch gar nicht so groß, also die füh­len sich auch ganz wohl zu Hause. Von dem her sind wir da auch rela­tiv ent­spannt und schauen mal, wann uns das wich­tig ist, dass die wie­der in die Kita gehen. Aber das geht vie­len ande­ren wahr­schein­lich nicht so. Also, mein Kleiner, muss ich dazu sagen – er ist fast zwei Jahre alt – der hatte schon eine Eingewöhnung ange­fan­gen. Wir haben die­ses Thema, was jetzt immer wie­der vor­kommt und was mich auch sehr beschäf­tigt: Wir haben die­ses Jahr eine Eingewöhnung ange­fan­gen und eigent­lich war er dann so weit, dass er schon ein biss­chen da geblie­ben ist. Und dann kam Corona und jetzt ist es so, dass wir eigent­lich wie­der mit der Eingewöhnung anfan­gen müs­sen. Und des­we­gen werde ich auch war­ten müs­sen, bis die Kinder wie­der jeden Tag hin­ge­hen kön­nen. Ich stelle mir das schwie­rig vor; eine Eingewöhnung, wenn wir nur einen Tag die Woche da sein könn­ten. Das funk­tio­niert ein­fach nicht. Und die Frage ist ja auch, wie die das hand­ha­ben in unse­rer Einrichtung, dass die Eltern gar nicht mit rein dür­fen. In man­chen Einrichtungen ist das ja eine große Frage. Also eine Eingewöhnung ist für mei­nen Sohn super wich­tig, weil er eigent­lich da jetzt eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr war. Das ist gar kein Teil sei­nes Lebens mehr. Aber wenn ich da nicht mit rein darf, frage ich mich schon, wie eine Wiedereingewöhnung statt­fin­den soll.

Ja, das waren auch Gedanken, die mir durch den Kopf gegan­gen sind. Also zum einen: Was ist mit Kindern, die gerade in der Eingewöhnung waren und die jetzt den Faden wie­der ver­lo­ren haben und von vorne anfan­gen müs­sen? Und was ist mit Kindern, die jetzt eigent­lich einen Platz bekom­men hät­ten, also eigent­lich hät­ten ein­ge­wöhnt wer­den sol­len? Und, wenn jetzt an einem Tag pro Woche die Kita geöff­net ist, hätte ich da Bedenken. Selbst für Tommy, der ja bereits ein­ge­wöhnt war. Für ihn sind es jetzt unge­fähr fünf Monate, in denen er wirk­lich gerne da hin gegan­gen ist und sich da wühl gefühlt hat. Aber, wenn ich jetzt über­lege, er könnte nur ein­mal die Woche hin, wüsste ich auch nicht, ob das dann für ihn nicht ein biss­chen zu wenig wäre. Da frage ich mich auch manch­mal: Wie lebens­nah sind jetzt die Politiker*innen? Haben die sich auch mal Gedanken gemacht, wie Kinder über­haupt „funk­tio­nie­ren”?

Das ist eine große Frage, die viele beschäf­tigt, auch mich als Kindheitspädagogin. Man kann bei allem irgend­wie die Vor- und Nachteile sehen. Und es kommt nun so wahn­sin­nig auf das Kind an. Es gibt immer eine ganze Bandbreite von Kinder-​Persönlichkeiten. Zum Beispiel meine Tochter war bis jetzt, also bis sie fünf war, ein abso­lu­tes „Rockzipfel-​Kind”. Das heißt, sie brauchte unglaub­lich die Verbindung, die Sicherheit, dass jemand immer in ihrem Background ist. Sie ist ein ganz star­kes „Bindungskind”, also sie braucht ganz viel Orientierung, eine Person, die für sie da ist, damit sie sich fest­kral­len kann, um dann ganz, ganz, ganz lang­sam irgend­wel­che Schritte in die Autonomie zu unter­neh­men. Sie bräuchte, wenn Sie jetzt noch klei­ner wäre, unbe­dingt eine neue Eingewöhnung. Also sie ist jetzt fast sechs, jetzt lang­sam wird sie auch auto­no­mer. Also an alle Eltern: Auch „Rockzipfel-​Kinder” wer­den auto­nom! Sie brau­chen nur län­ger, aber da braucht man keine Angst haben und sollte immer nötige Geborgenheit und Bindung geben. Das ist ein­fach ein Persönlichkeitsthema. Sie bräuchte unbe­dingt eine Eingewöhnung, wenn sie jetzt drei oder zwei wäre. Sie müsste eine Wieder-​Eingewöhnung bekom­men, sonst hätte sie wirk­lich einen enor­men Stress. Mein Sohn hin­ge­gen, der ist ein sehr auto­no­mes Kind, auch wenn er jetzt eine neue Eingewöhnung machen sollte, wie ich finde, weil er eben gerade in der Eingewöhnung war. Ich weiß ich ein­fach: So viel Zeit braucht er da wahr­schein­lich nicht, weil er jemand ist, der, wenn er in eine neue Situation kommt, da rein­geht und ins Spiel kommt und keine Probleme hat, sich zu lösen. Das heißt, es gibt eine wahn­sin­nige Bandbreite an Kindern und des­we­gen gibt es da auch keine pau­schale Antwort, wel­ches Kind wie eine Wiedereingewöhnung braucht oder nicht. Und die Sicht der Kinder ist ein­fach sehr wenig im Zentrum. Also wenn dann recht­lich gese­hen Regelungen getrof­fen wer­den, sind die Sichten der Kinder ein­fach nicht im Zentrum.

Ja, das wäre jetzt meine nächste Frage: Wie müs­sen wir das uns aus der Perspektive eines Kindes eigent­lich vor­stel­len, nach so lan­ger Zeit wie­der in die Kita zu kom­men und das viel­leicht sogar unter neuen Bedingungen? Die Gruppe ist viel­leicht noch mal anders zusam­men­ge­setzt, viel­leicht tra­gen Erzieherinnen Mundschutz. Wie müs­sen wir uns das vor­stel­len?

Ja, genau da gibt es eben auch wie­der keine pau­schale Antwort. Also, das ist ja immer mein Anliegen, zu sagen: Wir müs­sen die Bedürfnisse der ein­zel­nen Kinder sehen! Da gibt es eben die Kinder, die freuen sich so wahn­sin­nig auf ihre Freunde und die wol­len unbe­dingt wie­der in die Einrichtung, weil es so anstren­gend war zu Hause und weil man da so viel anein­an­der gerät und weil es so lang­wei­lig ist. Das heißt, die kom­men in die Einrichtung und die sind glück­lich, egal wel­che Umstände da sind. Denen ist egal, ob die Fachkraft einen Mundschutz trägt, es ist egal, ob da eine neue Konstellation ist, Hauptsache der eine Freund ist da. Dann gibt es aber auch die Kinder, die sind super gerne zu Hause, zum Beispiel hoch­sen­si­ble Kinder. Die sind sehr gerne zu Hause und denen ist das auch häu­fig zu viel in den Einrichtungen.

Denen ist es sowieso zu viel?

Es ist zu laut, es sind zu große Gruppen, es ist zu viel kör­per­li­che Nähe, es ist zu viel Konflikt. Es fehlt ihnen eine Bindungsperson, an die sie sich anschmie­gen kön­nen. Für die ist das eh schon immer eine sehr große Herausforderung. Und für sie wird auch die­ser Wiedereintritt in die Kita eine sehr große Herausforderung sein, also noch grö­ßer als sie ohne­hin ist. Das heißt, für sie wird das sehr irri­tie­rend sein, wenn da eine Fachkraft ist mit Mundschutz. Für sie wird es sehr irri­tie­rend sein, wenn da nicht ihre Bezugserzieherin da ist. Für sie wird es hoch­ir­ri­tie­rend sein, wenn die in einem ande­ren Raum sind. Für die wird es hoch­ir­ri­tie­rend sein, wenn da andere Kinder mit dabei sind. Für die wird es alles schwie­rig sein und bei die­sen Kindern sage ich auch: Bitte, eine Wiedereingewöhnung ist ein Muss! Und dann gibt es noch das Thema, dass die Kinder an der Tür abge­ge­ben wer­den sol­len. In Bayern haben die so etwas, dass die Kinder dann auf eine Decke gesetzt wer­den und dann über­nimmt die Erzieherin die Kinder von der Decke, damit kein Körperkontakt zwi­schen Eltern und Erzieherin statt­fin­det. Das ist für Krippenkinder ein No-​Go-​Szenario. Also ich weiß gar nicht, wie das gehen soll. Im Moment ist da doch diese Hygienevorschrift im Mittelpunkt, aber was das letzt­lich an, auch gesund­heit­li­chen, Folgen für man­che Kinder haben kann, wenn die dann so trau­rig sind, weil sie eigent­lich diese direkte Übergabe brau­chen, weil sie da den Halt brau­chen, was das dann für die psy­chi­sche Gesundheit bedeu­tet: Das kann bedeu­ten, dass sie einen lan­gen inne­ren Stresspegel haben zum Beispiel, der gar nicht abge­baut wer­den kann, weil sie das so irri­tiert.

Also was mich dabei bewegt, ist die Frage der Einrichtungsqualität. Es gibt ja auch bei den Einrichtung sehr große Qualitätsunterschiede, lei­der. Es gibt Einrichtung, die wirk­lich ganz toll auf die Bedürfnisse der ein­zel­nen Kinder ein­ge­hen, und es gibt Einrichtungen, die tun das eben nicht. Und ich traue schon einer Einrichtung, die sen­si­bel und acht­sam mit den Kindern umgeht, zu, dass sie auch sol­che merk­wür­di­gen Dinge durch­aus hän­deln kann und damit dann umge­hen kann, wenn das in einem guten Rahmen statt­fin­det. Aber bei einer Einrichtung, die vor­her schon nicht beson­ders bedürf­nis­ori­en­tiert war und die vor­her schon nach dem Motto gear­bei­tet hat „Kreisch mal nicht so viel jetzt und mach mal nicht so einen Kasper!“, kann ich mir nicht vor­stel­len, dass die das dann gut hin­be­kommt. Das kommt aus der Perspektive der Kinder noch etwas: Wir Erwachsene machen uns manch­mal nicht klar, wie schnell für Kinder eine Zeit wie­der ver­ges­sen geht, also wie schnell sich quasi Erinnerungen über­schrei­ben. Wenn ein Kind zwei Monate lang nicht in der Einrichtung ist, hat es in der Zwischenzeit so viele andere Erlebnisse gehabt und so viele neue Verbindung in sei­nem Gehirn geknüpft, dass das schon auch wie­der was völ­lig Neues sein kann, wenn das Kind dann in die Einrichtung kommt. Ich kann mich sel­ber noch aus mei­ner Kindheit erin­nern, aus der Grundschulzeit, dass ich jedes Mal nach den gro­ßen Sommerferien irgend­wie so ein Befremdungsgefühl hatte und bei­spiels­weise dachte: „Der sieht ja kom­plett anders aus!“, weil Kinder ent­wi­ckeln sich ja auch so schnell. Sie ver­än­dern sich selbst, aber die ande­ren Kinder ver­än­dern sich auch, sehen dann viel­leicht total anders aus. Ich kann mich da noch total dran erin­nern, wie ich dann in die Schule kam und bei den Kindern, die ich lange nicht gese­hen hatte, dachte: „Der sieht ja kom­plett anders aus und die sieht ja auch kom­plett anders aus!“ Und das machen wir uns als Erwachsene, glaube ich, nicht immer so klar, wie mas­siv auch die­ser Zeiteffekt für die Kinder sein kann. Für die Eingewöhnung hatte ich jetzt eben noch mal so eine Idee: Ob man so etwas nicht auch drau­ßen machen könnte jetzt bei dem Wetter? Also, dass da die Möglichkeit hätte, Sicherheitsabstände ein­zu­hal­ten und gleich­zei­tig, dass eben Eltern noch dabei sein kön­nen und Erzieher*innen dann mit dem Kind inter­agie­ren kön­nen. Das ist natür­lich auch viel­leicht leich­ter gesagt als getan …

Also tat­säch­lich gibt es auch Kinder, die sehr unsi­cher reagie­ren, wenn man drau­ßen ist. Das merkt man viel­leicht auch bei den eige­nen Kindern: Wenn man im Raum ist, dann spie­len die häu­fig sehr frei und sicher und, sobald man raus­geht, in eine unbe­kannte Situation, wol­len die schnell auf den Arm. Draußen zu sein, kann für kleine Kinder auch Unsicherheit bedeu­ten, weil evo­lu­ti­ons­bio­lo­gisch gese­hen, wenn man drau­ßen war, bedeu­tete das immer mehr Gefahr und des­we­gen kann das auch bei Kindern zu mehr Unsicherheit füh­ren. Das kommt wie­der auf das Kind an. Manche füh­len sich auch drau­ßen woh­ler und ent­spann­ter, also da muss man auch wie­der das Kind anschauen.

Ja, das ist lus­tig, dass du das sagst. Tommy war genau so ein Kind, das immer, wenn wir raus gegan­gen sind auf den Spielplatz, erst ein­mal eine Dreiviertelstunde auf dem Arm ver­bracht hat. Da konnte man fast die Uhr danach stel­len, das war wirk­lich eine Dreiviertelstunde und dann war er soweit, sich die Umgebung wirk­lich anzu­schauen sich dar­auf ein­zu­las­sen. Das war für andere Eltern oft befremd­lich und wir sel­ber muss­ten uns da auch erst ein­mal dran gewöh­nen, dass unser Kind so tickt. Wenn man die gan­zen ande­ren spie­len­den Kinder so sieht, die sich ein­fach so „rein­schmei­ßen“ in die Situation und sich alles angu­cken, und das eigene Kind sitzt so auf dem Arm … Aber ich finde es wich­tig, sich dar­auf ein­zu­las­sen, weil jedes Kind soll ja so akzep­tiert wer­den, wie es nun mal ist. Es bringt auch nichts, zu ver­su­chen, ein Kind zu for­cie­ren, dass es eigen­stän­di­ger ist, als es ist. Und auch da kann ich jetzt wie­der bestä­ti­gen: Wir haben ihm diese Nähe gege­ben und er ist jetzt auch auto­nom und selb­stän­dig. Und er geht jetzt auch auf den Spielplatz und guckt sich alles an und ent­schei­det, was er spie­len will. Da kann man auch ein biss­chen auf die Kinder ver­trauen.

Ja, es gibt viele Kinder, die müs­sen sich das alles erst mal aus der Ferne angu­cken und erst­mal auf diese Weise Sicherheit gewin­nen und dann alles abche­cken. Und irgend­wann ist die innere Sicherheit da. Und wenn man viel­leicht zum zehn­ten Mal auf die­sem Spielplatz war, dann weiß das Kind: Ah, so läuft der Hase! Und dann kön­nen sie vom Schoß sprin­gen.

Was meinst du denn: Wie kön­nen Eltern ihre Kinder gut beglei­ten bei die­ser zwei­ten neuen Eingewöhnung?

Die Transitionsforschung, also die Übergangsforschung, sagt, dass es mit sehr ver­schie­de­nen Gefühlen ein­her­geht, so ein Übergang. Und das hat natür­lich mit immer mit Abschied zu tun, so ein Übergang, also mit Trauer. Und es hat aber auch etwas mit Vorfreude zu tun, mit Neugierde, aber auch meis­tens mit Stolz. Also ein Übergang hat immer sehr viele Facetten von ver­schie­de­nen Gefühlen und diese Gefühle kann man natür­lich auf­grei­fen als Eltern, also je nach Kind. Das Kind ist viel­leicht trau­rig, weil es nicht mehr zu Hause blei­ben kann, dann kann man dar­auf ein­ge­hen und das Gespräch suchen und das immer wie­der the­ma­ti­sie­ren, dass es jetzt bald wie­der in die Kita geht: „Jetzt schla­fen wir noch drei mal und dann darfst du wie­der zu XY (Name der Erzieherin oder des Erziehers).“ Man kann es auf jeden Fall ver­bal sehr gut vor­be­rei­ten. Wenn dann ein Gefühl spür­bar ist, also so etwas wie viel­leicht eine Trauer, dann kann man das bespre­chen. Das finde ich immer wich­tig in die­ser Bedürfnisorientierung, dass wir den Fokus auf die Gefühle haben, also viel­leicht so etwas wie: „Schade, das war echt eine schöne Zeit, ich fand es auch wirk­lich sehr schön. Wir haben so schön zusam­men hier gespielt. Und das ist auch so eine Wehmut. Ich spüre das. Also du fan­dest es schon schön zu Hause, also Du bist jetzt ein biss­chen trau­rig, dass du jetzt wie­der in die Kita sollst?“ Man kann dann die­ses Gefühl auf­grei­fen.

Also den Gefühlen Raum geben?

Genau, aber zum Beispiel jetzt nicht die Trauer the­ma­ti­sie­ren, wenn die gar nicht da ist. Man muss keine Trauer her­auf­be­schwö­ren, weil man sel­ber trau­rig ist. Das ist der bedürf­nis­ori­en­tierte Weg, auch zu spü­ren: Was ist denn mein eige­nes Gefühl? Vielleicht bin ich ja auch trau­rig und das Kind gar nicht. Dann kann ich das aber auch sagen: „Ja, ich bin biss­chen trau­rig. Ich merke du bist nicht trau­rig.“ Ich meine, es ist auch eine Wertschätzung für die Kinder. Aber wenn das Gefühl zum Beispiel Vorfreude ist und „Das ist so lang­wei­lig hier!“ und „Ich will unbe­dingt wie­der in die Kita, ich ver­misse das so, diese Spielsachen dort!“, dann kann man das auch the­ma­ti­sie­ren. Dann kann man sagen: „Du scharrst schon rich­tig mit den Hufen? Du willst nicht mehr hier sein?“. Quasi die Gefühle ver­ba­li­sie­ren, aber auch die Beweggründe und das, was damit ein­her­geht. „Die Spielsachen hier die kennst du jetzt schon alle du brauchst jetzt mal wie­der die Spielsachen von der Kita, stimmt’s? Vermisst du da ein Spielzeug beson­ders?“ Man kann quasi schon allein durch ein Gespräch eine Verbindung schaf­fen zwi­schen Einrichtung und zu Hause.

Und das auch schon bei ganz klei­nen Kindern.

Unbedingt. Also mein Zweijähriger, der ver­steht alles.

Ja, ich denke auch bei Tommy: Der ver­steht alles, und das auch schon, seit er ganz klein war. Nicht alles im Sinne von „alles, wor­über wir Erwachsenen reden“, aber alles, was seine eigene Lebenswelt betrifft.

Genau, abso­lut, und wenn sie nicht jedes ein­zelne Wort ver­ste­hen, ver­ste­hen sie den Gefühlsinhalt, also sie ver­ste­hen dann, dass es etwas ist, was gerade der Mutter oder dem Vater ein gro­ßes Anliegen ist. Mitschwingen und Empathie sind ja wesent­li­che Bedürfnisse von uns Menschen. Also das heißt, wenn jemand nur unse­ren momen­ta­nen Zustand ver­steht, die Gefühle, Bedürfnisse, Beweggründe, dann ist das schon ein sehr befrei­en­des Gefühl, weil da jemand mit mit mir schwingt mit und ich mich ver­stan­den fühle. In vie­len Fällen reicht sowas schon aus.

Danach seh­nen wir Erwachsenen uns ja auch oft.

Ja, abso­lut.

Und die Kinder natür­lich noch mehr. Die brau­chen das noch mehr.

Du hast vor­hin die Qualität von Einrichtungen ange­spro­chen. Ich sehe auch Einrichtungen, die machen gar keine Eingewöhnung mehr, also gar keine Wiedereingewöhnung. Einfach: ”Zack, Kind rein!“ Es ist ein­fach ein Unding! Egal wel­ches Kind, egal wel­cher Charakter, egal was: ”Zack, Montag Kind dahin. Tschüß!“ Es sind sehr unter­schied­li­che Einrichtungen, die es da gibt. Und, genau, wie du es auch gesagt hast: Die, die davor schon sehr wenig bedürf­nis­ori­en­tiert und gefühls­nah und acht­sam gear­bei­tet haben, die wer­den es jetzt auch nicht tun. Die haben auch kein Gefühl und Gespür für Bedürfnisse und da wird es dann auch für Kinder pro­ble­ma­ti­scher sein, als in Einrichtungen, die dazu eher den Zugang haben. Und die wer­den, glaube ich, auch eine gute, krea­tive Lösung fin­den zwi­schen dem Schutz der Fachkraft und den Bedürfnissen der Kinder. Also mal ein „Kuckuck!“ und die Maske her­un­ter­zie­hen und „Hallo, hier bin ich!“ oder so etwas. Und, wenn es darum geht, die Kinder vor­zu­be­rei­ten: Es gibt ja auch Einrichtungen, die sehr stark in Kontakt geblie­ben sind mit den Kindern. Also das heißt, dass zum Beispiel Briefe geschrie­ben wur­den oder Videos geschickt wur­den oder Lieder, die regel­mä­ßig per Video zugäng­lich waren. Und das ist natür­lich eine andere Verbindung, die da bestehen geblie­ben ist, als wenn jemand sich gar nicht gemel­det hat. Und das erlebe ich tat­säch­lich sehr häu­fig, dass die Einrichtungen kei­nen Kontakt gehal­ten haben. Trotzdem, dass meine Tochter fast sechs Jahre alt ist, ist keine Verbindung da. Selbst für mich fehlt eine Verbindung. Wenn es sehr kleine Kinder sind, ist das mit den Videos natür­lich schwie­rig. Die kön­nen das noch nicht abs­tra­hie­ren.

Und kön­nen auch nicht unbe­dingt so viel damit anfan­gen…

Genau, aber je älter sie sind, desto schö­ner ist das natür­lich auch, wenn da das Gesicht immer mal wie­der da ist, die Stimme, die Sprache. Und dann ist natür­lich die Verbindung mehr noch gehal­ten, als wenn gar kein Kontakt statt­ge­fun­den hat. Manche Einrichtungen haben auch eine kleine Aufgabe gestellt um die Osterzeit. Dass die Kinder zur Einrichtung lau­fen kön­nen, dort ein Bild anhef­ten und sich dafür ein Ei mit­neh­men oder so etwas. Dadurch ist dann auch eine Verbindung geblie­ben. Und die Kinder star­ten dann auch wie­der anders, als Kinder, die gar kei­nen Kontakt hat­ten. Und die Eltern kön­nen natür­lich auch noch mal über die Erzieherin oder den Erzieher spre­chen und noch mal sagen: „Wo ist denn gerade die Lisa, viel­leicht ist sie gerade schon in dei­ner Gruppe. Und die berei­tet da bestimmt schöne Sachen für euch vor.“ Und: „Guck mal, wir schauen uns noch mal das Video an!“ Und: ”Guck mal da, die Lisa, die singt jetzt für dich!“ Dann kön­nen wir viel­leicht das Lied meh­rere Tage hin­ter­ein­an­der sin­gen und so kann man natür­lich schon wie­der eine Verbindung för­dern, dass es wie­der im Gedächtnis ist. Dieser Zeitaspekt, den du vor­hin genannt hast, der ist schon sehr gra­vie­rend, weil Kinder erst ab drei Jahren unge­fähr anfan­gen, ein Zeitgefühl zu ent­wi­ckeln. Davor ist das so ein biss­chen: „Ich lebe nur im Moment und was davor war, was danach kommt, ist mir auch egal!“

Was ich auch gedacht habe, was man viel­leicht auch pro­ak­tiv machen kann, selbst wenn jetzt die Kita kei­nen Kontakt hält: Einfach mit dem Kind mal vor­bei­ge­hen an der Kita und mal gucken. Tommys Kita hat Briefe geschickt und die haben ihn irgend­wie nicht so rich­tig gejuckt, muss ich ganz ehr­lich sagen. Da waren Fotos dabei, die hat er sich dann ange­guckt, aber so rich­tig hat es ihn nicht gejuckt. Am Anfang haben wir als Eltern das auch gemacht, dass wir so alle paar Wochen mal Fotos geschickt haben von den Kindern. Dass wir die uns noch mal ange­guckt haben. Das finde ich auch eine gute Idee. Also wenn ihr mit den ande­ren Eltern viel­leicht in einer WhatsApp-​Gruppe oder ander­wei­tig ver­netzt seid und ihr irgend­wie die Möglichkeit habt, euch Fotos zukom­men zu las­sen. Wenn jetzt für Tommy die Einrichtung los­ge­hen würde, dann würde ich mal die ande­ren Eltern fra­gen: „Wollen wir noch mal eine Runde Fotos schi­cken?“ Für ihn war das total gut, als wir da vor­bei­ge­gan­gen sind. Es gab von sei­ner Kita so eine Aktion, dass die Erzieher*innen vor­ge­schla­gen haben, dass wir einen Stein bema­len und den dort hin­le­gen. Das haben wir dann gemacht und es war für ihn zum Teil ein biss­chen ver­stö­rend, weil wir haben ihm immer gesagt, die Kita sei abge­sperrt, und dann waren da aber doch Kinder und dann war da aber doch die eine Erzieherin. Da habe ich gemerkt, dass es in ihm so ein biss­chen „gerat­tert“ hat: „Wie kann das jetzt sein? Das war doch abge­sperrt! Wieso ist das jetzt doch offen? Ich will jetzt gerne der Erzieherin sel­ber den Stein geben und den nicht da ein­fach hin­le­gen!“. Das war für ihn komisch, aber trotz­dem hat es ihm so für die Erinnerung an die Einrichtung viel gebracht, noch mal da vor­bei­ge­gan­gen zu sein. Ich glaube, selbst wenn die Erzieherinnen nicht von sich aus so etwas machen, würde ich das dann ein­fach machen oder vor­schla­gen, das zu tun. Dass man dann ein­fach vor­bei­geht und viel­leicht sel­ber irgend­et­was hin­legt, ob die dazu auf­ge­for­dert haben oder nicht.

Genau. Oder nach­fra­gen, ob die Erzieherinnen auch mal ein Foto schi­cken kön­nen. Damit es immer wie­der ins Gedächtnis geru­fen wird. Immer wie­der so ein klei­nes „Aha, da war doch was!“

Du sel­ber hat­test ja auf dei­nem Blog und in dei­nem Podcast ganz tolle Reflexionsfragen gestellt, also ein­mal an die Kinder, ein­mal an die Fachkräfte und auch an die Eltern. Welchem Impuls bist du dabei gefolgt, als du dir diese Fragen über­legt hast? Wie kamst du da eigent­lich drauf?

Vielen Menschen fällt es schwer, sich die tat­säch­li­chen, eige­nen Bedürfnisse vor Augen zu füh­ren. Was einem wirk­lich gut­tut und was einen wirk­lich antreibt, was einem wirk­lich hilft, sich gut in der eige­nen Haut zu füh­len. Ich hatte dann den Impuls, da noch mal hin­ein zu fra­gen, also Fragen, die man an sich sel­ber stel­len kann, um noch ein­mal nach­zu­ha­ken. Will ich denn die­sen Weg gehen, den wir eh schon immer gegan­gen sind vor Corona? Weil Corona, ich emp­finde das auch als so eine Chance, dass man noch­mal nach­den­ken kann: Ist das jetzt ein rich­ti­ger Weg, den ich gehe oder brau­che ich auch etwas ande­res? Und das ist jetzt viel­leicht auch eine Zeit für Veränderung. Gleichzeitig war es mir ein Anliegen, weil es ja doch so auf die Kinder gemünzt ist, die Bedürfnisse der Kinder deut­lich zu machen, damit wir die nicht ver­ges­sen. Und da Reflexionsfragen an die Hand zu geben, um her­aus­zu­fin­den: Was braucht denn mein indi­vi­du­el­les Kind für die­sen Wiedereinstieg? Um da zu sen­si­bi­li­sie­ren.

Ich kann dir, lie­ber Leser, wirk­lich emp­feh­len da mal hin­zu­schauen auf die Seite von Lea. Ich kann ja mal ein paar Beispiel-​Fragen her­aus­pi­cken. Da war ein­mal eine Frage an die Kinder: „Möchtest du wie­der in die Kinderbetreuung oder tut dir das Zuhause sein gut?“ Oder: „Würde es dir hel­fen, erst ein­mal ein paar Stunden in die Einrichtung zu kom­men und die Zeit dort nach und nach aus­zu­wei­ten?“ Und dann an die Fachkräfte: „Was kannst du tun, um den ein­zel­nen Kindern den Wiedereinstieg zu erleich­tern?“ Oder auch: „Kannst du eine fle­xi­ble Wiedereingewöhnung anbie­ten? Kannst du jedem Kind, je nach Alter, Charakter und Temperament eine indi­vi­du­elle Wiedereingewöhnungszeit ein­räu­men?“ Aber auch an uns Eltern hast du Fragen gestellt, zum Beispiel: „Möchtest du dein Kind wie­der in die Kinderbetreuung brin­gen oder hast du das Zu-​Hause-​Sein genos­sen und möch­test etwas an der Betreuungssituation ändern?“ Oder auch: „Möchtest du dein Kind wie­der in die Einrichtung brin­gen oder musst du dein Kind wie­der in die Einrichtung brin­gen?“ Ich fand die Fragen auch sehr span­nend. Ich fand es sehr inter­es­sant, was sie wie­derum in mir aus­ge­löst haben. Ich bin ja einer­seits auch Fachkraft und ver­trete auch eine bedürf­nis­ori­en­tierte Erziehung oder Beziehung zu den Kindern, aber sel­ber hatte ich so eine gewisse Abwehrreaktion am Anfang. Das fand ich total span­nend, weil ich dachte: „Oh, wenn ich das jetzt anspre­che! Wenn ich jetzt Tommy frage, ob er wie­der in die Kita möchte oder lie­ber zu Hause blei­ben will, und der dann sagt, dass er lie­ber zu Hause blei­ben will …“ Das ist, glaube ich, etwas, das uns häu­fig pas­siert als Eltern. Dass wir den­ken, wenn wir etwas aus­spre­chen, schaf­fen wir eine Realität oder wir öff­nen die Pforte für etwas, das wir dann nicht mehr ein­ho­len kön­nen. Und in Wirklichkeit geht es ja eigent­lich darum, dass gerade die Dinge, die schwie­rig sind oder wo wir uns unsi­cher füh­len, dass es gerade da wich­tig ist, auch dar­über zu spre­chen. Selbst wenn Tommy in sich den­ken würde: „Ich würde lie­ber zu Hause blei­ben, ich will da gar nicht hin!“, und ich redete mit ihm nicht dar­über dann ginge ja sein Gefühl dadurch nicht weg. Es ist ja trotz­dem sinn­voll, über diese Gefühle zu spre­chen. Und mich zu öff­nen und zu sagen, was meine Beweggründe sind. Selbst wenn er viel­leicht sagen würde: „Ich will lie­ber zu Hause blei­ben!“ Und wenn ich sagen würde: „Ich will aber den­noch, dass du hin­gehst!“ Das sind ja auch innere Verhandlungsprozesse und Abwehrstrategien, die man selbst als Eltern hat.

Genau! Wenn man mit einer Empörung oder mit einer Abwehr reagiert, dann weiß man, dass es etwas mit einem selbst zu tun hat oder mit einem Konflikt, den man in sich trägt. Ich finde es wirk­lich toll, dass du das so ansprichst, weil das hat jetzt ganz viele Ebenen hat. Den Gedanke von Bedürfnisorientierung oder auch der bedürf­nis­ori­en­tier­ten Kinderbetreuung ver­ste­hen viele falsch. Es geht ja nicht darum, dass ich das Kind frage, was es möchte, und dann sage: „Ok, du willst das, dann machen wir das so!“ Das ist es ja mit­nich­ten. Sondern es geht da um alle Bedürfnisse und alle Gefühle, die man in einer Situation hat und, was es in einem aus­löst. Ich sehe zum Beispiel ein Kind, das ein bestimm­tes Bedürfnis hat. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich dann die­ses Bedürfnis erfül­len muss. Das ist wie­der die­ser Grundgedanke die­ses wich­ti­gen Bedürfnisses nach Empathie. Vielleicht spürst du, dass Du Dein Kind gar nicht in die Einrichtung brin­gen möch­test. Und dann kannst Du in Dich hin­ein spü­ren: „Was sind denn das für Gefühle, die ich damit habe? Vielleicht eine Angst?“ Das heißt aber noch nicht, dass Du diese Situation dann gleich ver­än­dern musst. Ich finde die Fragen so wich­tig, um hin­ein zu spü­ren, ob ich viel­leicht etwas ver­än­dern möchte. Die Voraussetzung ist natür­lich, dass man sehr stark mit sich ver­bun­den ist, also mit sich und sei­nen Gefühlen. Dass ich spüre, wo das her­kommt und was das in mir aus­löst. Das ist mir auf jeden Fall immer wich­tig zu sagen: Bedürfnisorientiert heißt nicht, dass ich das dann sofort erfülle. Sondern zum Beispiel auch sage, in der Kinderbetreuung oder eben auch zu Hause: „Ach, du willst jetzt unbe­dingt die­ses Eis“ Oder: „Du möch­test jetzt unbe­dingt, dass ich für dich da bin. Gleichzeitig merke ich, dass ich jetzt noch diese fünf Minuten, bis der große Zeiger oben ist, an mei­nem Computer sit­zen blei­ben möchte. Ich sehe aber, dass du die­ses Bedürfnis hast!“ Und das ist noch mal ein Unterschied, ob ich etwas wahr­nehme, sehe und wert­schätze oder ob ich dann das Bedürfnis gleich erfülle. Es ist wich­tig, das wahr­zu­neh­men, um dann eine Entscheidung zu tref­fen, die für einen selbst am bes­ten ist. Dann ist es auch zum Beispiel legi­tim, zu sagen: „Ich spüre, dass es in mir etwas aus­löst, ich gucke da mal hin. Gleichzeitig merke ich, dass die beste Entscheidung für uns ist, dass Tommy wie­der in die Einrichtung geht.“ Die Fragen an die Kinder sind auch nicht so gedacht, dass ich sie den Kindern stelle. Das könnte man teil­weise, je nach Alter, aber wir Erwachsenen sind in der Verantwortung, die Fragen stell­ver­tre­tend an die Kinder zu stel­len, weil wir ja unsere Kinder ken­nen und wis­sen: Wie sind die so drauf? Wie wür­den die ant­wor­ten? Man kann sie teil­weise stel­len, trotz­dem haben wir die Verantwortung. Also, wir kön­nen nicht die Verantwortung an die Kinder über­ge­ben und sagen: „Ach, du willst nicht in die Einrichtung, okay dann machen wir das so.“

Ja, genau, oder: „Du willst nicht in die Einrichtung, aber du gehst trotz­dem hin, basta!“ Ich kann Dir, liebe*r Leserin auf jeden Fall emp­feh­len, dass du dir diese Fragen von Lea ein­mal anschaust. Und, wenn du eine Abwehrreaktion hast, das wirk­lich auch mal sacken zu las­sen und noch ein­mal tie­fer hin­ein zu spü­ren.

Genau. Ich habe auch tat­säch­lich ganz schnell Reaktionen von Fachkräften bekom­men im Sinne von: „Nee, das geht nicht, das kön­nen wir nicht machen!“ Und das ist dann wie­der so sehr auf der Verhaltensebene. Aber es geht mehr um die­ses Tiefer-​rein-​Spüren. Wie man sich dann letzt­lich ver­hält, steht auf einem ande­ren Papier.

Ich finde auch, dass die Haltung, mit der man an Dinge ran­geht, so viel aus­macht, gerade auch mit Kindern. Manchmal ist das wirk­lich auch ein biss­chen ver­rückt. Also bei mir ist das manch­mal so, dass, wenn ich nur daran denke, dass ich gerade gerne etwas ande­res machen würde, als mein Kind zu betreuen, dass dann die Sache schief läuft. Das schon alles gelau­fen ist oder alles so schwer wird. Und, wenn ich mich dar­auf ein­las­sen kann und ein­fach im Flow bin und sage: „Okay, das ist jetzt so und das machen wir jetzt und das schaf­fen wir!“, dann ist es eigent­lich die glei­che Situation, aber sie ist nicht so schwer. Deshalb glaube ich auch, dass es rich­tig wert­voll sein kann, an sei­nen eige­nen Anteil zu arbei­ten und ein biss­chen zu schauen: Mit wel­cher inne­ren Perspektive und wel­chen Gedanken gehe ich denn an Situationen heran.

Das stimmt. Es gibt eben Menschen, die dann sofort sagen: „Nee das geht alles nicht!“ Die dann sofort abweh­ren. Aber in der glei­chen Situation wür­den andere sagen: „Das krie­gen wir doch hin, selbst mit Schutzmasken und so wei­ter! Das schaf­fen wir, dass wir da trotz­dem sehr zuge­wandt und den Kindern ange­passt reagie­ren kön­nen.“

Wie bist du eigent­lich selbst zur bedürf­nis­ori­en­tier­ten Pädagogik gekom­men und was bedeu­tet das für dich?

Ich habe mich im Studium schon sehr viel mit Kindheitspädagogik aus­ein­an­der­ge­setzt. Ich bin ja Kindheitspädagogin und habe dann auch einen Master in dem Bereich gemacht. Das heißt, ich habe mich fach­lich schon ziem­lich lange mit dem Thema aus­ein­an­der­ge­setzt und ich habe Fortbildungen für Erzieher gege­ben und habe auch im Qualitätsmanagement gear­bei­tet, also die Qualität in Kitas erho­ben. Und ich habe fach­lich schon vie­les mit­be­kom­men, was die Haltung und den Blick auf Kinder angeht. Und da muss man sagen: Die Fachlichkeit und die Wissenschaft, die sind eigent­lich schon immer bedürf­nis­ori­en­tiert aus­ge­rich­tet.

Ja, das ist ja das Absurde.

Das ist das Absurde. Also eigent­lich ist das schon immer das, wor­auf­hin wir arbei­ten. Ich arbeite auch als Dozentin in einer Erzieherinnen­fach­schule und auch dort ist immer das Ziel, eine Haltung bei den Schülerinnen zu ent­wi­ckeln, die den Kindern gerecht wird, die die Kinder auch als kom­pe­tente Wesen wahr­nimmt und so wei­ter. Deswegen ist Bedürfnisorientierung eigent­lich etwas, was schon lange Zeit auch in der Wissenschaft Thema ist. Es wurde viel­leicht nicht so benannt, da geht es dann um das indi­vi­du­elle Herangehen und so wei­ter. Allerdings gibt es sozu­sa­gen auf der kon­kre­ten Handlungsebene etwas, dass ich doch erst durch mei­nen Muttersein mit­be­kom­men habe. Und das hat mir noch ein­mal sehr neue Impulse gege­ben, was das alles mit mir sel­ber macht. Ich habe mich dann zum Beispiel mit dem Thema „Entschuldigen“ ganz klein­tei­lig aus­ein­an­der­ge­setzt: warum ent­schul­di­gen ein­fach Quatsch ist zum Beispiel.

Also du meinst, dass das man die Kinder auf­for­dert sich zu ent­schul­di­gen?

Ja, und auch man selbst als Erwachsener muss sich nicht ent­schul­di­gen, weil ent­schul­di­gen immer was mit Schuld zu tun hat. Und das bedeu­tet ja: Man gibt jeman­dem die Schuld. In der Bedürfnisorientierung geht man immer davon aus, dass das Verhalten, das man zeigt, nur die Spitze des Eisbergs ist und dass das, was da dar­un­ter liegt, die Gefühle, die Impulse, die Bedürfnisse, das ist, was einen antreibt und was man teil­weise gar nicht rich­tig kon­trol­lie­ren kann, weil uns das Gehirn einen Streich spielt. Das heißt, jedes Verhalten, das wir zei­gen, ist immer das Beste, das wir geben kön­nen. Das ist etwas, das ich gelernt habe als Mama, indem ich mich mit bedürf­nis­ori­en­tier­ten Büchern aus­ein­an­der­ge­setzt habe. Und da bin ich auch sehr dank­bar für, da habe ich noch ein­mal einen ganz ande­ren Blick bekom­men.

Micha hat das auch in sei­nem Interview mit Claudia Hillmer gesagt, dass für ihn – er war ja auch fach­lich im päd­ago­gi­schen Bereich – der Moment, als er sel­ber Vater gewor­den ist, alles ver­än­dert hat. Und bei mir selbst ist es auch so. Ich bin ja selbst auch Diplom-​Pädagogin und man weiß dann so vie­les schon in der Theorie. Aber, es ist schon ein biss­chen merk­wür­dig: Wenn man dann selbst ein Kind hat, ver­steht man erst so rich­tig die ganze Tiefe des Ganzen.

Ja, und wel­che große Relevanz wir als Menschen haben – und unsere Persönlichkeit. Das war schon Thema im Studium, weil ich dan­kens­wer­ter­weise – ich bin sehr glück­lich dar­über – einen psy­cho­ana­ly­ti­schen Schwerpunkt hatte. Da haben wir uns viel mit uns selbst aus­ein­an­der­ge­setzt. Aber was Kinder bewir­ken, dass man sich noch mehr mit sich selbst aus­ein­an­der­setzt und über­legt: „Warum reagiere ich denn jetzt in dem Moment so, obwohl ich eigent­lich schon seit Jahren gelernt habe, dass es echt etwas ist, was man nicht machen sollte?“ Und das pas­siert mir ja auch, dass ich schreie und Ähnliches. Und das ist doch noch mal ein ganz span­nen­der Prozess, der in die­ser Form erst durch eigene Kinder mög­lich ist.

Ich finde das wirk­lich gut, dass du das jetzt gesagt hast, weil ich glaube, das ist auch wich­tig für Eltern. Noch ein­mal zu hören: Ja, selbst wenn wir das stu­diert haben und da so viel Wissen ange­sam­melt haben, arbei­ten auch wie­der jeden Tag daran und ent­wi­ckeln uns immer wei­ter. Wir alle ler­nen jeden Tag dazu.

Auf jeden Fall! Und wenn ich ein­mal gehan­delt habe, wie ich über­haupt nicht han­deln will, was wirk­lich auch vor­kommt, kann man mit dem Kind ins Gespräch gehen und sagen: „Ich bedauere das so, dass ich vor­hin so reagiert habe!“ Entschuldigungen ver­su­che ich zu ver­mei­den. Das schaffe ich auch nicht immer. Ich sage dann eben: „Ich bedauere das. Vorhin habe ich dich so ange­brüllt.“ Und dann beschreibe ich das und sage in etwa: „Ich will gar nicht, dass wir so mit­ein­an­der umge­hen. Ich will eigent­lich, dass ich mit dir freund­lich umgehe. Und ich war so gestresst und ich konnte gerade echt nicht anders reagie­ren.“

Gleichzeitig glaube ich, dass das es auch dazu gehört und dass Kinder auch die ganze Bandbreite an Emotionen bei uns Eltern ken­nen­ler­nen dür­fen. Wenn du immer freund­lich wärst, auch wenn du inner­lich total ange­spannt bist und eigent­lich schreien willst, wäre es auch nicht so toll. Es ist ja immer auch so ein biss­chen die Frage: Wie sehr raste ich aus? Und wie häu­fig? Ist das eine Situation, die für das Kind dann beängs­ti­gend oder bedrü­ckend ist oder hält sich das noch im Rahmen und ist ins­ge­samt noch in einem gesun­den Bereich? Und wie gehen wir danach damit um?

Genau. Und auch in dem Moment selbst, zum Beispiel: Ich werde super laut, wenn ich wütend bin und schreie: „Das kann doch nicht wahr sein!“ Das finde ich auch ganz wich­tig: zu zei­gen, dass wir eben auch das Gefühl „Wut“ haben und dass es eben nichts Verwerfliches ist. Schwierig wird es dann, wenn ich in die­ser Wut das Kind demü­tige oder ernied­rige.

Das denke ich auch.

Das ist auch wirk­lich ein Unterschied, ob ich von mei­nen Gefühlen spre­che und sage: „Mann ey, das kann ja wohl nicht wahr sein! Ich bin so sauer, ich bin so wütend! Jetzt wollte ich das machen und jetzt ging das ein­fach nicht!“ Oder, ob ich sage: „Jetzt hast du schon wie­der nicht das und das gemacht und des­we­gen bin ich jetzt so wütend!“

Ja. Wenn man dann das Kind beschimpft oder beschämt.

Oder sogar kör­per­lich aggres­siv wird. Das ist dann etwas, das nicht sein darf, weil das natür­lich den Selbstwert des Kindes schmä­lert.

Mit dei­ner Seite und mit dei­nem Podcast rich­test du dich ja haupt­säch­lich an Fachkräfte. Was kannst du jetzt aus die­ser Perspektive wie­derum Eltern mit auf den Weg geben im Blick auf die Betreuung ihrer eige­nen Kinder?

Die Qualität einer Einrichtung misst sich fast aus­schließ­lich daran, wie die Fachkraft ganz kon­kret mit den Kindern inter­agiert. Das heißt: Kann sie in der Interaktion fein­füh­lig auf das Kind ein­ge­hen? Kann sie die Emotionen wahr­neh­men? Kann sie die rich­tig deu­ten? Zum Beispiel habe ich kürz­lich fol­gen­des in einer Einrichtung erlebt: Ein Kind war mor­gens ganz trau­rig und wollte nicht in die Einrichtung hin­ein. Die Mutter hat das Kind sehr gescho­ben und wollte es „los­wer­den“, nach dem Motto „Jetzt hab dich mal nicht so!“ Und die Fachkraft kam hin­aus und hat dann gesagt: „Ach, du brauchst noch einen Moment. Okay, dann gehe ich wie­der rein und du kommst, wenn du dann fer­tig bist.“ Und ich dachte nur: Das Kind braucht jetzt Unterstützung. Das sitzt da wei­nend und kann sich da gerade nicht selbst regu­lie­ren. Das heißt: Das Wichtigste ist, dass die Fachkräfte fein­füh­lig auf die Kinder ein­ge­hen und die Gefühle und Bedürfnisse gut wahr­neh­men kön­nen. Dass sie ihre Sorgen, ihre Nöte, ihre Ängste und ihre Wut wert­schät­zen, anneh­men und spie­geln kön­nen. Das ist das A und O und so etwas kann man natür­lich vor­her nicht sehen. Wenn man die Fachkraft vor­her ken­nen­ler­nen kann, gibt es natür­lich auch so etwas wie Sympathie, also eine Sympathieebene. Das finde ich ganz wich­tig, weil, wenn ich mit der Fachkraft keine Sympathie habe, dann merkt das das Kind, dass ich da irgend­wie im inne­ren Konflikt bin. Das heißt, eigent­lich kann ich nur sagen. Es ist es wich­tig, dass die Fachkraft passt. Das Problem ist nur, dass das Eltern meis­tens nicht wäh­len kön­nen.

Das kriegt man am Anfang nicht so rich­tig her­aus.

Genau, das kriegt man nicht her­aus. Aber man kann auch in Einrichtungen fra­gen, ob man hos­pi­tie­ren darf. Und meis­tens ist das auch mög­lich und, wenn das nicht mög­lich ist, dann würde ich da schon mal die Finger von las­sen. Weil es dann meis­tens so ist, dass man sich nicht auf die Finger schauen las­sen möchte. Das würde ich mit Vorsicht genie­ßen.

Für mich wäre es so ein No-​Go-​Kriterium, wenn im Vorgespräch sol­che Sätze fal­len, wie: „Wenn Du noch stillst, dann still bes­ser vor­her ab oder gleich­zei­tig, wäh­rend der Eingewöhnung, weil sonst die Eingewöhnung nicht funk­tio­niert!“ So etwas wird ja manch­mal behaup­tet, das ist aber fach­lich falsch und weist für mich schon dar­auf hin, dass da irgend­was nicht stimmt, auch in der Fachlichkeit des Personals. Oder so etwas wie: „In zwei Wochen muss die Eingewöhnung abge­lau­fen sein! Wenn es län­ger dau­ert, dann sind die Eltern schuld!“ In diese Richtung. Oder, was ich auch schon gehört habe: „Sie soll­ten zu Hause das Kind weni­ger auf den Arm neh­men, damit es in der Einrichtung nicht so viel Nähe ein­for­dert. Das kön­nen wir nicht leis­ten!“. Also sol­che Sachen, die in diese Richtung gehen. Ich habe auch schon mas­siv ver­un­si­cherte Eltern gese­hen, die ein­fach wirk­lich nicht wis­sen: „Kann das denn sein?“ Das wider­spricht das dem Gefühl der Eltern und die wis­sen ein­fach nicht: „Ist das denn sinn­voll oder nicht? Aber ich brau­che ja die Betreuung und ich will ja die Betreuung! Okay, dann mache ich das mal!“ Und dann wird zu Hause auf ein­mal alles stres­sig. Das begüns­tigt viel­leicht sogar eine Kampfbeziehung zu den Kindern. Also, wenn im Vorgespräch oder im Rahmen der anfäng­li­chen Eingewöhnung sol­che Dinge genannt wer­den, dann ist das für mich ein abso­lu­tes Warnsignal!

Oder, wenn Kinder anfan­gen zu bei­ßen und es dann heißt: „Zu Hause müsst ihr das in den Griff krie­gen!“ Dabei ist das ein Zeichen, dass das Kind auf­grund der Situation in der Einrichtung zeigt, also ein Stresszeichen. Das sind genau sol­che Sätze, die ja zei­gen, wenn die Fachkräfte keine Fachlichkeit haben und auch kein Feingefühl für die tat­säch­li­chen Bedürfnisse und Gefühle der Kinder. Das sind Alarmzeichen, abso­lut, und das kann man dann im Vorgespräch viel­leicht schon ein biss­chen erah­nen. Aber ich finde, es ist auch durch­aus legi­tim, eine Eingewöhnung anzu­fan­gen und, wenn man dann merkt: „Das passt gar nicht! Das geht nicht, ich fühle mich so unwohl!“, damit abzu­bre­chen.

Das denke ich auch. Manchmal ist es halt schwie­rig, je nach den Regelungen vor Ort. Dass man Hier in Frankfurt ist es so, dass man dann erst ein­mal gesperrt wird für eine Weile, bis man wie­der in die nächste Einrichtung kann. Aber man darf da auch ein biss­chen lang­fris­ti­ger den­ken: Nur, weil man das es irgend­wie schafft, sein Kind irgendwo ein­zu­ge­wöh­nen, heißt das nicht, dass das auch mit­tel­fris­tig gut geht. Vielleicht weint das Kind dann nach einem hal­ben Jahr unent­wegt oder sträubt sich mas­siv, dort hin­zu­ge­hen. Oder es gibt es dann Probleme mit aus­agie­ren­dem Verhalten und dann holt einen der Konflikt wie­der ein.

Genau, also da dür­fen wir auf jeden Fall län­ger­fris­tig im Sinne des Kindes den­ken und auch mit der Eingewöhnung, anfan­gen bevor man wie­der arbei­ten gehen muss. Da wirk­lich mehr Zeit ein­pla­nen, um wirk­lich ent­spannt in die Eingewöhnung rein­zu­ge­hen! Weil, wenn ich immer denke „Gott, in zwei Wochen fange ich an zu arbei­ten!“, dann bekommt das Kind nun ein­mal mit. Da sind dann auch die eige­nen Gefühle, die man dann da so hat: inne­rer Stress, Sorgen und so wei­ter. Und dann kann das Kind sich auch nicht lösen. Das heißt: Schon früh­zei­tig viel Zeit ein­pla­nen für die Eingewöhnung! Und davon aus­ge­hen, dass es noch län­ger dau­ert. Da dür­fen wir als Eltern wirk­lich auch im Sinne des Kindes mehr Zeit ein­pla­nen.

Ja das sehe ich auch so. Ich bedanke mich noch mal ganz herz­lich, auch im Namen von Micha, für dein Interview und die Zeit, die du uns geschenkt hast.

Ich danke Euch auch, es hat mir viel Spaß gemacht.

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