Über Erziehungsfragen lässt es sich vortrefflich streiten. Nur in einem Punkt herrscht befremdliche Einigkeit: Kinder brauchen Grenzen! Kaum jemand stellt das in Frage. Dabei lohnt es sich durchaus, nachzuhaken: Bedeutet „brauchen“, dass Kinder von Natur aus keine Grenzen hätten oder akzeptieren würden? Von welcher Art von Grenzen ist da überhaupt die Rede? Wer definiert, wo die „roten Linien“ verlaufen? Wie sollen die Grenzen durchgesetzt werden? Was soll eigentlich passieren, wenn diese Grenzen übertreten werden? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Viel Spaß beim Anhören!

Danke fürs Teilen!

  • Sehr interessanter Podcast. Da er schon eine differenzierte Sicht auf das Thema bietet. Denn was mich betrifft, macht die auf mich allgemein propagierte Erziehung (dieses typische: Kinder brauchen Grenzen und Strukturen) den Eindruck, dass es einfach nur darum geht die Kinder ‚auf Linie‘ zu bringen. Sie einem bestimmten System zu unterwerfen, in dem sie vor allem zu funktionieren haben. Überhaupt dieses ‚GLEICHE‘, immer diese Annahme, es würde in jedem Bereich das EINE RICHTIGE, das EINE ‚Perfekte‘ geben. Vor allem Perfektion ist ja totaler Quatsch und total gefährlich, diese vermitteln zu wollen. Aber das Gefühl habe ich bei vielen, dass sie nichts falsch machen wollen und unbedingt auf der Suche nach dem ultimativ richtigen sind. Ich finde man sollte den Kindern vielleicht vor allem beibringen, dass wir MENSCHEN/menschlich sind, und Fehler gar nicht unbedingt als Niederlage oder etwas Falsches zu vermitteln, sondern als etwas das zur Entwicklung gehört.

    Ich finde jedenfalls, dass es nie den einen richtigen Weg gibt. Und dass Kinder vor allem Strukturen brauchen ist auch so eine Sache für mich, die viel mit ‚auf Linie bringen‘ zu tun hat. Denn in unserer Gesellschaft wird immer angenommen, dass nur Struktur in dem OFFENSICHTLICH strukturiertem vorhanden ist. Unsere Gesellschaft hat für sich definiert was Struktur ist. Da würde ich jetzt mal vor allem so Dinge beschreiben wie: ‚Ein GEREGELTER Tagesablauf. Dann und dann aufstehen .. dann und dann in den Kindergarten .. dann und dann Essen .. usw. usf.! Diese Art von Struktur hat für mich ganz viel mit dieser Gesellschaft und dem System in dem wir leben zu tun. Dass wir in dem vor allem gut funktionieren. Funktionieren! Das ist was für mich vor allem hinter dieser Struktur steckt, die alle meinen anstreben zu müssen.

    Aber es gibt so viele Lebensentwürfe. Ich kenne Eltern, die eine Art Hippie-Leben führten, wo von dieser Struktur gar nichts zu sehen war, die man uns in Ratgebern immer ans Herz legt (die oben erwähnte). Die hatten so ihre ganz eigenen Vorstellungen, in einer Zeit, wo es noch hiess, man dürfe Säuglinge in keinem Fall mit den Eltern in einem Bett, sondern besser im eigenen Bettchen und am allerbesten dann auch noch im eigenen Zimmer schlafen lassen. Sie liessen ihre Kinder so lange im Elternbett schlafen, bis die Kinder dies nicht mehr wollten. Sie taten sehr viele Dinge total anders, als man es damals riet, als man es heute oftmals noch rät und ich habe selten so selbstbewusste und in sich ruhende Kinder gesehen, wie die Kinder dieser Familie damals. (Der Vater war Kiffer, und auch anderen Drogen nicht unbedingt abgeneigt, als Musiker und Hippie der er war. Die Mutter war und ist auch Künstlerin, hat auch gern mal gekifft und die hatten nichts von einer gutbürgerlichen, spiessigen, durchstrukturierten Familie. Die Eltern waren aber absolut überzeugt von dem was sie taten und begriffen und prespektierten ihre Kinder als vollwertige Menschen, von denen eher sie als Eltern lernen können, als umgekehrt.) Und zum Thema Struktur möchte ich noch sagen. Es ist nicht nur der strukturiert, bei dem man diese Struktur auf den ersten Blick erkennt. So ein Mensch ist wohl eher MAXIMAL strukturiert! Es muss aber doch JEDER Struktur haben, der von einem Tag zum anderen kommt und sein Leben lebt. Selbst wenn es nicht dieses Leben ist, dass sich die meisten vorstellen wie es zu sein hat. Es ist auch da Struktur wo sie nicht als solche direkt erkennbar ist. Warum ist sie nicht als solche direkt erkennbar? Weil man uns ständig immer wieder einredet, Struktur wäre nur da wo man sie offensichtlich erkennt, in einem zeitlich durchorganisierten Tagesablauf. Organisation UND Struktur ist überall da wo der Mensch ein Leben lebt, denn sonst wäre da gar kein Leben möglich, wenn dieser Mensch nicht seine ganz eigene Organisation und Struktur hätte. Was für den einen Chaos ist, ist für den anderen wieder eine Form von Organisation und Struktur, die er genau so braucht, weil er sich so zurecht findet. Und das alles ist in meinen Augen auch okay so, solange man das selbst so möchte, das selbst so für sich erschaffen hat oder eben so gelernt hat und solange es niemandem weh tut in irgerndeiner Form. Ausserdem kommen Kinder überall da klar wo ihre Eltern klar kommen.

    Das Problem hier ist wohl nur mal wieder DIE NORM! Und die Menschen, die nur die Norm (aner-)kennen und vor allem die, die uns diese Norm immer wieder ans Herz legen. Ich glaube Menschen, die andere Wege gehen in einer Gesellschaft, die durch und durch genormt ist, haben es in dieser besonders schwer und denen kommt ständig Gegenwind entgegen. Sie machen sich selbst auch oft Gedanken, weil sie merken, dass sie eben nicht so normal sind, und ich finde das ist ein Problem. Denn diese Erwartungen wie wir zu sein haben, das lässt die, die eben andere Wege gehen möchten oder es gar nicht anders können als ihren eigenen ungewöhnlichen Weg zu gehen, ständig sich selbst hinterfragen, weil sie es um sich herum ja so anders sehen, weil da ja so viele sind, die alle denselben, in meinen Augen fragwürdigen Weg, nehmen.
    Aber gerade die Vielfalt ist das Schöne und die Unterschiede, weswegen ich auch wichtig finde, dass diese Vielfalt überall gelebt werden kann und dass diese ihre Daseinsberechtigung hat. Denn wofür bräuchte es sonst Viele, wenn wir alle immer nur nach dem einen, vermeintlich einzig richtigen Weg streben und vor allem wenn es den GÄBE?! Es gibt ihn nicht. Es gibt so viele verschiedene richtige Wege, wie es Menschen gibt und das ist auch oder gerade in der Erziehung so. Das Wort finde ich ja schon fragwürdig. Denn eigentlch glaube ich, dass unsere Art zu erziehen ein sehr großer Fehler ist, und dies immer wieder nur zu einem Problem führt. Ich glaube, wenn man Erziehung umdenkt könnten die Menschen sich in eine ganz andere Richtung entwickeln. Wir sind gleich und WEGEN unseren Unterschieden.

    Bestimmt ist dieser Podcast schon lange her, ich habe kein Datum gefunden, aber das Thema ist ja immernoch aktuell.

    Danke für Eure Mühe zu diesem Thema.

  • {"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
    >